Ein Festtagsmenü aus dem Garten

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Wer an dieser Stelle kulinarische Höhepunkte aus dem Gemüsegarten oder der Wildblumenecke erwartet, kann hier getrost das Lesen beenden. Nein, es geht vielmehr um das, was man liebevoll gepflanzt hat und was dann schon nach der ersten Nacht so stark dezimiert ist, dass es auch mit der Lupe nicht mehr zu sehen ist. Ganz schnell wird einem klar, dass das mal wieder ein Festtagsmenü für die Schnecken gewesen ist.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, wenn man noch nicht daran denkt, beginnt das rege Treiben und die Tiere erwachen aus der Winterstarre. Tauscht man sich mit Leidgenossen aus, wie mit der Plage – bei dem Einen ist sie größer, andere sind weniger betroffen – umgegangen wird, so stellt man gleich fest, welche absonderlichen Methoden zu ihrer Dezimierung angewandt werden.

Man muss schon genauer hinschauen, denn die Schnecken sind nicht gleichermaßen schädlich. Ihnen kommt ökologisch eine besondere Bedeutung zu. Sie fressen z.B. Abgestorbenes und Algen und tragen zur Sauberhaltung des Gartens bei. So richten die Schnirkelschnecken, zu denen auch die Weinbergschnecke zählt, kaum Schaden an, im Gegensatz zur ach so gefräßigen Spanischen Wegschnecke.

Als das Gerücht aufkam, Weinbergschnecken würden die Gelege der Nacktschnecken fressen, hat mir seinerzeit eine Kollegin ein kleines Eimerchen voll mitgebracht. Sie haben sich gut gehalten und vermehrt und sind häufig an den Kalksteinen im Garten zu finden. Ansonsten sind sie eher unauffällig und es ist immer wieder eine Freude, ihnen zuzuschauen und leere Schneckenhäuser zu sammeln. Ausgesprochen selten bekommt man einen Tigerschlegel zu Gesicht. Zu erkennen ist er leicht an seiner schönen Zeichnung. Er gehört ebenfalls nicht zu den Schädlingen und man sollte ihn ungestört leben lassen.

Auch bei mir steht ein Paket Schneckenkorn bereit. Ich wende es allerdings sehr spärlich an, um meine Weinbergschnecken nicht zu gefährden. Hühner und Laufenten wären eine effektive Alternative bei der Jagd auf Schnecken, kommen aber für mich wegen der örtlichen Gegebenheiten nicht infrage. So haben sich Schneckenringe aus Zinkblech bewährt, aber bei vielen Dahlien, Phloxen, Astern und Funkien stößt man schnell an die Grenzen und es wird dann auch optisch unvorteilhaft.

Da mir diese Pflanzen sehr wichtig sind, gehe ich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden auf die Jagd, wähle aber eine schnelle Methode und setze die Schnecken keiner quälenden Prozedur aus. Das glückselige aber todbringende Bad im Bier im Vollrausch ist ebenfalls sehr erfolgreich, dezimiert aber nicht nur Schnecken sondern auch die eigenen Vorräte.

In diesem Frühjahr, als es lange trocken war, dachte ich das Schlimmste sei überwunden und frohlockte. Jedoch nach dem ersten heftigen Regenwochenende traute ich meinen Augen nicht als eine einzige löchrige Kohlpflanze mit über hundert Schnecken übersäht war. Vom Salat hatten sie sich schon verzogen, denn dort war alles abgeerntet. Aber es gibt ein Igelpärchen. In der Dunkelheit ist es regelmäßig anzutreffen- mit nur einem Haken. Die Igel vertilgen die Reste aus dem Katzennapf, sind sehr gut genährt und werden ganz bestimmt meine Schnecken dank besserer Nahrungsquelle verschmähen.

Des einen Freud, des anderen Leid….

Schneckenresistente Stauden in meinem Garten:

Acanthus   Achillea   Alchemilla   Amsonia   Anemone japonica   Anthemis tinctoria   Astilbe

Astilboides tabularis   Bergenia   Calimeris   Cariopteris   Cephalaria gigantea   Digitalis

Epilobium angustifilium   Epimedium   Euphorbia   Geum rivale   Hesperis matronalis

Iris sibirica   Helianthus microcephalus   Kniphofia   Lavendula   Lythrum   Nepeta   Perovskia

Päonia   Polygonum amplexicaule   Rodgersia   Stachys byzanthina   Teucrium hiranicum

Thalictrum   Valeriana officinalis   Veronica longifolia   Veronicastrum

 

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